Die Kvarner Bucht ist der Ort, an dem der Urlaub an der Adria erfunden wurde. 1844 baute der Kaufmann Iginio Scarpa aus Rijeka in einem Fischerdorf namens Opatija die Villa Angiolina - vierzig Jahre später stand dort das erste Hotel der kroatischen Küste, und der europäische Adel überwinterte in einem Ort, den man als „Nizza der Adria" bewarb. Von diesem Erbe ist erstaunlich viel übrig: Uferwege, Parks mit Kamelien und Lorbeer, Villen mit schmiedeeisernen Balkonen. Dazwischen liegen vier große Inseln, ein Fährnetz und eine der mildesten Küstenlandschaften des Landes.
Die Küstenabschnitte
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Opatija-Riviera Volosko bis Mošćenička Draga
Der historische Kern der Region. Der Lungomare, ein zwölf Kilometer langer Uferweg, verbindet Volosko über Opatija und Ičići mit Lovran - fast durchgehend am Wasser, mit Badeplattformen, Cafés und Villen. Im Rücken steigt die Učka auf über 1.400 Meter an und hält die Bora ab. Ferienhäuser stehen meist in Hanglage über der Küstenstraße, mit Blick auf die Bucht.
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Rijeka und Umgebung Kastav, Kraljevica, Bakar
Rijeka ist Hafen- und Industriestadt, kein Ferienort - aber Verkehrsknoten und mit dem Korzo, dem Stadtturm und der Burg Trsat einen Tag wert. Die Dörfer im Hinterland, allen voran Kastav auf seinem Hügel, sind deutlich ruhigere Standorte als die Küste.
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Crikvenica-Riviera Crikvenica, Selce, Novi Vinodolski
Die klassische Familienecke der Region: flache Kiesbuchten, breite Promenaden, viel Infrastruktur, moderate Preise. Dahinter das Vinodol-Tal mit Weinbau. Wer ein Haus mit Pool sucht und trotzdem abends zu Fuß am Wasser sitzen will, wird hier am ehesten fündig.
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Die Velebit-Küste Senj bis Karlobag
Der raueste Abschnitt: eine schmale Straße zwischen einer kahlen Gebirgsflanke und dem Meer, kaum Vegetation, kaum Orte. Senj gilt als eine der windanfälligsten Städte Europas - die Bora fällt hier ungebremst vom Velebit herunter. Landschaftlich großartig, als Urlaubsstandort nur für Menschen, die Weite mögen.
Vier Inseln, vier Charaktere
Kein anderer Landesteil hat so viele große Inseln so dicht beieinander - und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
| Insel | Anreise | Charakter |
|---|---|---|
| Krk | Brücke, keine Fähre nötig | Die vielseitigste: sieben sehr verschiedene Orte, Flughafen Rijeka auf der Insel, dichte Infrastruktur |
| Cres | Fähre Brestova - Porozina oder Valbiska - Merag | Lang, leer und bewaldet; Süßwassersee im Inselinneren, Gänsegeierkolonie bei Beli |
| Lošinj | über Cres und die Brücke bei Osor | Kurinsel seit der Habsburgerzeit, dichte mediterrane Vegetation, milde Winter |
| Rab | Fähre Stinica - Mišnjak oder Valbiska - Lopar | Grün, mit Pinienwäldern und den ausgedehntesten Sandstränden der nördlichen Adria bei Lopar |
Cres ist die stillste der vier. Ein Süßwassersee mitten auf der Insel liefert das Trinkwasser, im Norden bei Beli lebt eine Kolonie von Gänsegeiern, die dort an vergleichsweise niedrigen Felswänden brüten. Lošinj hängt über eine kleine Brücke bei Osor an Cres und wirbt mit über tausend Pflanzenarten und einem Mikroklima, das schon in der Donaumonarchie als heilsam galt.
Krk ist die einzige große kroatische Insel, die man ohne Fährplan erreicht - das entspannt die Anreise erheblich.
Warum die Saison hier länger dauert
Die Kvarner Bucht liegt weiter nördlich als Dalmatien, ist aber durch die Gebirgszüge im Rücken - Učka, Gorski kotar, Velebit - überraschend geschützt. Die Folge: In Opatija und auf Lošinj blüht im Februar die Kamelie, und der Uferweg lässt sich das ganze Jahr über gehen. Für den Ferienhausurlaub bedeutet das eine breitere Saison als anderswo. April, Mai, Oktober sind hier keine Notlösung, sondern eigenständige Reisezeiten - zum Wandern auf die Učka, für Radtouren im Vinodol-Tal, für Städtetage in Rijeka.
Der Preis dafür ist die Bora. Zwischen Senj und Karlobag erreicht sie im Winterhalbjahr regelmäßig Orkanstärke, und die Küstenstraße wird dann für Wohnwagen gesperrt. Im Hochsommer spielt sie kaum eine Rolle, in der Nachsaison sollte man den Wetterbericht lesen, bevor man eine Fähre einplant.
Anreise und Fähren
Die Kvarner Bucht ist nach Istrien die am schnellsten erreichbare Küstenregion. Von Slowenien kommend führt die Autobahn über Rijeka; wer aus Zagreb anreist, nimmt die A6 über den Gorski kotar. Die Krk-Brücke war jahrzehntelang mautpflichtig und ist seit Juni 2020 kostenlos - Krk erreicht man damit ohne jeden Zusatzaufwand.
- Nach Cres: Fähre Brestova - Porozina von der istrischen Ostküste, oder Valbiska auf Krk - Merag.
- Nach Lošinj: über Cres und die Brücke bei Osor, alternativ Katamaran ab Rijeka.
- Nach Rab: Fähre Stinica - Mišnjak von der Velebit-Küste, oder Valbiska - Lopar von Krk aus.
In der Hochsaison gilt für alle Autofähren dieselbe Regel: früh da sein oder vorbuchen. Besonders die Rückfahrten am Samstagvormittag sind eng.
Wo das Ferienhaus stehen sollte
- Für kurze Anreise ohne Fähre: Krk oder die Crikvenica-Riviera. Beide sind vom Grenzübergang aus in gut einer Stunde erreicht.
- Für Ruhe und Natur: Cres. Wenig Verkehr, große Grundstücke, dafür lange Wege zum nächsten Supermarkt.
- Für Sandstrand mit Kindern: Lopar auf Rab - die größte zusammenhängende Sandfläche der nördlichen Adria.
- Für Vor- und Nachsaison: Opatija, Lovran und Lošinj. Hier ist auch im April und Oktober alles offen.
- Für Wanderer: die Hänge der Učka oder das Hinterland von Mošćenička Draga - vom Haus aus direkt in den Naturpark.
Preisniveau
Die Kvarner Bucht liegt unter Istrien und deutlich unter Süddalmatien. Am günstigsten sind das Hinterland von Crikvenica und die Ostseite von Cres, am teuersten die erste Reihe der Opatija-Riviera und die Villenlagen auf Lošinj. Häuser mit Pool sind seltener als in Istrien - dafür sind Meerblick-Lagen hier vergleichsweise erschwinglich, weil die Hänge steil sind und viele Häuser übereinander stehen.
Häufige Fragen zur Kvarner Bucht
Welche der vier Inseln passt zu welchem Urlaub?
Krk für alle, die ohne Fährplan anreisen und trotzdem Auswahl an Orten, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten wollen. Rab für Familien mit kleinen Kindern wegen der Sandbuchten bei Lopar. Cres für Ruhe, große Grundstücke und lange Spaziergänge ohne Menschen. Lošinj für Vor- und Nachsaison, weil dort auch im Oktober und April fast alles geöffnet hat.
Kommt man ohne Auto zurecht?
An der Opatija-Riviera ja: Zwischen Volosko, Opatija, Ičići und Lovran fahren Busse im dichten Takt, und der Lungomare verbindet die Orte zu Fuß. Auf den Inseln und an der Crikvenica-Riviera ist ein Auto praktisch unverzichtbar, sobald man mehr sehen will als den eigenen Ort.
Was isst man in der Kvarner Bucht?
Anders als in Dalmatien mischen sich hier Küste und Bergland. Aus dem Meer kommen die Scampi aus der Bucht selbst, die als besonders zart gelten, dazu Muscheln und Tintenfisch. Aus dem Hinterland stammen Lamm von der Insel Cres, Wild aus dem Gorski kotar und die handgerollten Nudeln šurlice, die vor allem auf Krk serviert werden.
Wie stark stört die Bora im Urlaub?
Im Juli und August fast gar nicht. Zwischen Oktober und April dagegen erreicht sie besonders zwischen Senj und Karlobag Sturmstärke; dann werden Küstenstraßen für Wohnwagen gesperrt und einzelne Fährverbindungen ausgesetzt. Die Opatija-Riviera ist durch die Učka weitgehend geschützt und bleibt auch bei Bora ruhig.
Lohnt sich ein Ausflug nach Rijeka?
Für einen halben Tag ja. Der Korzo als Hauptachse, der Stadtturm mit dem Doppeladler und die Burg Trsat über der Rječina-Schlucht lassen sich gut zu Fuß verbinden. Rijeka ist Arbeits- und Hafenstadt, kein Postkartenort - genau deshalb ist es dort auch im August erträglich.
Verwendete Quellen
- Villa Angiolina und die Anfänge des Tourismus in Opatija (visitopatija.com)
- Kvarner Tourismusverband, Region und Inseln (kvarner.hr)
- ADAC, Maut in Kroatien und mautfreie Brücken (adac.de)